Wer kennt nicht das große schwarze Loch, in das man als Hochschulabsolvent erstmals fällt, wenn man nach einem halben Jahr intensiver Lern- und Prüfungszeit und der Anfertigung der Abschlussarbeit plötzlich damit konfrontiert wird, sich über das “danach” den Kopf zu zerbrechen. Jeder Gedanke der letzten Studentensemester galt nur dem möglichst erfolgreichen Bestehen der Prüfungen sowie der Erlangung guter Noten und Bewertungen. Danach bewegt man sich plötzlich nicht mehr zwischen Uni-Mensa und Bibliothek, sondern nur noch vom Bett zum PC, in der Hoffnung, das Jobangebot zu finden, für welches die eigene Qualifikation und Studienfächerkombination prädestiniert ist. Praktika wurden meist schon vor oder während des Studiums absolviert, eine ungefähre Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll, ist auch vorhanden. Dennoch sitzen viele Studienabgänger Woche für Woche vor dem Rechner, surfen durch zahlreiche Stellenbörsen, telefonieren mit Arbeitgebern, absolvieren das ein oder andere Vorstellungsgespräch, gelangen jedoch irgendwie nicht zum Ziel.
Um hier Abhilfe zu schaffen, werden seit einigen Jahren verstärkt sogenannte Career Center als neue Dienstleistungseinrichtungen an deutschen Hochschulen gegründet und ausgebaut. Diese teils privaten, teils für die Studienberatung institutionalisierten Einrichtungen basieren auf der engagierten Arbeit einiger weniger unermüdlicher Mitarbeiter, welche erkannt haben, dass insbesondere bei geisteswissenschaftlichen Fächern verstärkter Beratungsbedarf besteht. Es gibt zwar zahlreiche Onlineangebote und Literatur zum „richtigen“ Aufbau einer Bewerbung. Doch all das hilft nicht weiter, solange vielen Absolventen nicht klar ist, wie sie sich sinnvoll auf dem Arbeitsmarkt platzieren können und in welcher Branche genau Ihr Fachwissen benötigt wird. Aufgrund der Einschätzung, dass viele Studenten eher unvorbereitet in den Berufsalltag entlassen werden, hat sich Anfang 2000 der Dachverband der Career Center in Deutschland (csnd) gegründet. Dieser unterstützt die deutschen Career Center beim Auf- und Ausbau der berufsvorbereitenden Angebote.
Orientiert am großen Vorbild U.S.A., wo diese universitären Einrichtungen als Dienstleistung der Hochschulen seit über 100 Jahren existieren, haben sich viele einzelne Career Center aus Lehrstuhlprojekten entwickelt. Inzwischen gibt es in Deutschland 111 Career Center an deutschen Hochschulen, davon sind bereits 84 Mitglieder des csnd.
Eines der Probleme dieser Einrichtungen wäre jedoch laut Marcellus Menke, Leiter des Career Service Centers der Uni Siegen und Vorsitzender des Vorstandes des csnd, dass es nicht den typischen Career Service gäbe, da die verschiedenen Universitäten jeweils unterschiedliche Verwaltungsstrukturen haben, deren Arbeitsweise immer von der Hochschulpolitik abhängt. “Den Career Service der Universität Siegen gibt es seit etwa einem Jahr, unsere berufsvorbereitenden Angebote werden stark von den Studenten genutzt. Ich profitiere da von meinen langjährigen Erfahrungen im Career Center der Uni Köln. Generell gibt es aber das Problem der Finanzierung und der Mitarbeiterqualifikation. Man kann nur glaubwürdig Unterstützung in Karrierefragen geben, wenn man selbst mehrere Jahre in der Arbeitswelt erlebt hat. Die meisten meiner Kollegen kommen aus der Unternehmensberatung oder dem Personalbereich. Allerdings fehlen teilweise die Mittel, einen Mitarbeiter einzustellen, und so werden mancherorts auch studentische Hilfskräfte für die Durchführung der Beratungsabläufe herangezogen. Das ist von Einrichtung zu Einrichtung ganz verschieden.” Menke weist weiter darauf hin, dass das Wichtigste für die Career Center die Öffentlichkeitsarbeit sei, damit die Aufmerksamkeit der Studenten schon während des Studiums auf die Beratungsmöglichkeiten gelenkt wird und diese entsprechend wahrgenommen werden. “Es gibt verschiedene Career Service-Typen.” bemerkt er. “In Köln konzentrierten wir uns darauf, die Studenten durch zahlreiche Seminarangebote fit für den Beruf zu machen. Manche Hochschulen machen hingegen nur Bewerbungsberatung. Hier in Siegen bieten wir beides – Vorträge und Seminare und vor allem Einzelberatung und Karrierecoaching in der ‘offenen Karriere-Sprechstunde’.”
Denn nach Menkes Erfahrung gehe es darum, eine Orientierung zu geben, da viele Studenten durch die verfügbaren Onlineinformationen auf dem Gebiet der Bewerbungsmodalitäten schon gut ausgerüstet seien. Es fehle ihnen einfach eine konkrete Zielvorstellung und die Einschätzung, in welche Nische sie mit dem Studium und ihren Fähigkeiten hineinpassen. Dies gilt auch für Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler: “Wir setzen uns in mehreren Sitzungen mit den Studenten zusammen, wobei wir beim Brainstorming ein Konzept erarbeiten und für den Einzelnen auch eine Potenzialanalyse aufstellen. Viele konzentrieren sich so sehr auf das Layout eines Bewerbungsanschreibens, dass sie darüber den Inhalt vergessen, der viel wichtiger ist. Es geht bei einer Bewerbung darum, zu kommunizieren, warum ich der oder die Richtige für diese Stelle bin.” Bei vielen Absolventen, ergänzt der Karrierecoach, bemerke er zudem die Tendenz einer Überangepasstheit an Bewerbungsformalia, die auch einem Personaler auffallen würde. Daher sieht er seine Aufgabe auch darin, Hilfestellung für die Entwicklung eines eigenen Stils zu bieten.
Einen direkten Wettbewerb gäbe es unter den einzelnen Career Centern nicht, da im Dachverband zusammengearbeitet wird und ein kollegialer Austausch stattfindet, um das Profil des Services und dessen Wahrnehmung als Dienstleistung zu verstärken. Besonders die Unternehmen sollen mehr einbezogen werden, so dass im Siegener Career Center derzeit die Jobbörse ausgebaut wird: “Wir sehen uns auch als Vermittler zwischen den Bedürfnissen der Unternehmen als zukünftigen Arbeitgebern und der Hochschule als Lehr- und Bildungseinrichtung. Es ist nicht immer einfach, diese beiden Welten zu vernetzen.” Der Zuspruch der Studenten und die Nutzung der Beratung zeigen Marcellus Menke, dass die Arbeit der Career Center in Zukunft nicht mehr aus dem Hochschulbetrieb ausgeschlossen werden kann. Letztlich profitieren beide Seiten davon, wenn der Absolvent erfolgreich ins Berufsleben einsteigt und sich die Qualität von Lehre und Berufsvorbereitung verbessert und herumspricht. Der Trend gehe trotz Praxisscheue klar in die Richtung, dass die meisten Hochschulen bereit für die Einrichtung eines Career Centers sind und vermehrt Mitarbeiterausbildungen vorgenommen werden. Doch trotz aller Bemühungen: Letztlich hängt das, was erreicht werden kann, immer am Engagement des Einzelnen!
Jetzt seid Ihr gefragt! Gibt es ein Career Center an Eurer Uni, welches Euch beim Berufseinstieg geholfen hat, oder haltet Ihr diese Einrichtungen für überflüssig? Diskutiert mit und bloggt in unserer Kommentarfunktion!





Seitenanfang




keine schlechte Idee. Schade, dass es soetwas bei uns noch nicht gibt.
An meiner Uni gibt es kein Career Center. Hier gibt es nur eine Wand mit Stellenanzeigen. So ein Career Center wäre an jeder Uni nicht schlecht. Wäre eine positive Bereicherung.
An meiner Hochschule ist ein Career Center und ich habe es schon paar mal in Anspruch genommen um den richtigen Beruf für mich zu finden. Sie haben mir auch dabei geholfen einen kurzen Teilzeitjob zu finden.
Bei uns an der Hochschule gibt es ein Career Center.Ich finde das ziemlich praktisch.
Ich finde die Idee des Career Center schon nützlich, weil Schulen sollten nicht nur dafür da sein um den Schüler einen guten Abschluss zu bieten sondern diesen auch in der Gesellschaft langfristig zu etablieren.