Sebastian Christ (28), Online-Journalist (stern.de) und Axel-Springer-Preisträger 2009, erzählt in seinem Debüt- Roman “…und wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute! – Ein Leben als Praktikant” die Geschichte eines Praktikantenlebens aus der Sicht des 25-Jährigen Protagonisten Jan Hesse. Der erfahrene Praktikant Christ verpackt seine Erlebnisse in der Medienbranche auf unterhaltsame Weise und ohne die üblichen Karriereratgeberfloskeln. Wer einen Geheimtipp für seinen Berufseinstieg erwartet, sucht vergeblich zwischen den Zeilen. Die Botschaft lautet: Triff deine Entscheidung, bevor es zu spät ist und orientier´ dich nicht an anderen! Nur der Erfahrungsbericht eines Einzelnen oder ein Roman, der einer realen Tendenz unter Absolventen nachgeht?
Worum geht’s?
Der Dauerpraktikant entscheidet sich nach fünf Jahren stetiger Praktika in aller Herren Länder für das Ende seiner Praktikumskarriere in der Medienwelt. Daher kündigt er plötzlich und inoffiziell beim Hamburger Kinomagazin, weil er nicht mehr der reine “Recherchesklave” sein will. Er hat sein “Nomadendasein” durch die ständig wechselnden Wohnorte satt und wünscht sich, endlich privat und beruflich irgendwo anzukommen. Sein Leben passt in drei Taschen und seine Freunde muss er “entrümpeln”, weil er sie selten durch die vielen Ortswechsel sieht und es nicht möglich ist, eine enge Beziehung zu erhalten. Seine Magisterarbeit liegt unabgesendet auf dem Schreibtisch und er merkt erst, dass er seine Traumfrau – eine ehemalige Mitpraktikantin - gefunden hat, als sie in den Zug steigt, um in Frankreich zu studieren. Als er am Ende beschließt ihr nachzureisen, passiert Unerwartetes…
Für wen?
Der Roman zeichnet das Bild junger Geisteswissenschaftler, die im Run um den besten Job Praktika aneinander reihen und zu spät merken, dass sie sich ausbeuten lassen. Nach der Lektüre entsteht die Frage: Wie viele “Jan Hesses” mag es da draußen nun geben? Durch seine polemische Darstellung zeichnet der Autor ein trauriges Bild der Medienbranche, da in dessen fiktiver Welt unfähige Flaschen in den Chefetagen sitzen und duckmäuserische Kollegen nicht über den eigenen Schreibtischrand schauen. Da der Autor aus eben dieser Branche kommt, steht zur Debatte, ob es sich hier um eine Satire handelt oder er die eigenen Erfahrungen eins zu eins wiedergibt. Die Kritik am “Wettrüsten der Lebensläufe” lässt sich eindeutig in den immer wieder eingeschobenen selbst-reflexiven Passagen des Helden erkennen: “Die Menschen laufen einem Idealzustand hinterher: auf jedem Gebiet des Lebens Perfektion zu erreichen.”
Der Schreibstil?
Flüssig und unterhaltsam geschriebene kurzweilige Erzählung mit kreativen sprachlichen Formulierungen (“Aber was machst du, wenn dir das Leben mal ´ne Notbremsung in die Biografie diktiert?”) Durch zahlreiche Rückblicke und Handlungssprünge auf vergangene Praktika und frühere Lebensabschnitte entsteht jedoch beim Lesen Verwirrung. Eine sehnsuchtsvolle Grundstimmung und Melancholie trägt den Roman zwischen den Zeilen, wenn Jan über seinen beruflichen Weg sinniert und über das unerfüllte Privatleben und die rein virtuellen Facebook-Bekanntschaften grübelt. Die Spannung wird von der aber nie wirklich stattfindenden Liebesromanze vorangetrieben, was den Leser am Ende enttäuscht zurücklässt.
Mein Lieblingssatz?
Jan Hesse: “Ständig dieses dämliche Umziehen, ständig den Bückling für irgendwelche Chefs machen und dabei immer noch freundlich lächeln. Auch so ein Praktikantenleben hat seine Regeln, die ihr wahrscheinlich schon lange nicht mehr kennt, weil es euch egal geworden ist, was da abgeht, oder ihr nie dieses Scheißleben führen musstet.”
Eine Empfehlung wert?
Ja, mit Einschränkung auf eine eher enge Zielgruppe von Berufsanfängern in ähnlicher Situation. Zur kurzweiligen Lektüre in der Bahn auf dem Weg ins Praktikum oder für Chefs, die die Sicht eines Praktikanten verstehen lernen wollen.
Sebastian Christ: “…und wünschen Ihnen für die Zukunft! Ein Leben als Praktikant”, Goldmann-Verlag, 1. Auflage Mai 2009, 173 S., 7, 95 EUR.
Und nun….
…seid ihr gefragt. Was haltet ihr von dem Buch? Welche Fragen, würdet ihr Sebastian Christ zu seinem Roman stellen? Mailt sie an redaktion@praktika.de und wir interviewen den Autor!





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Sebastian Christ ist es gelungen einen Roman zu schreiben, der nicht nur unterhaltsam ist, sondern sich auch kritisch mit den Existenzängsten junger Akademiker auseinandersetzt. Flüssig und humorvoll geschrieben schildert der Autor die freiwillige Selbstausbeutung des Jan Hesse, der sicherlich nicht die Generation Praktikum widerspiegelt. Denn letztendlich muss jeder seine eigene Entscheidung treffen. Ein Buch nicht nur für Studenten in ähnlichen Situationen, sondern auch für Interessierte und Chefs, die sich ein Bild aus der Sicht eines Praktikanten machen möchten.