PRAKTIKUMSFUEHRER.de klingelt regelmäßig bei verschiedenen Top-Unternehmen an und fragt für Sie nach: Welche Bewerbungs-Form ist die Beste? Wie sieht der Bewerbungsablauf aus? Und was können die Studenten tun, um bei den Personalern besonders positiv aufzufallen?
Heute im Interview: Marc-Stefan Brodbeck, Leiter Recruiting & Talent Service der Deutschen Telekom.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Welche Art der Bewerbung bevorzugen Sie?
Brodbeck: Wir bevorzugen die Online-Bewerbung. Der Vorteil einer Online-Bewerbung besteht darin, dass wir Bewerbungen in einer strukturierten Form erhalten und – ganz im Sinne des Bewerbers – schnell dem suchenden Fachbereich zukommen lassen können, der die Unterlagen zeitnah vergleichen kann.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Online-Bewerbungen gehören heute nahezu zum Standard, sind jedoch für viele Bewerber noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Was zählt für Sie zu den absoluten No-Gos?
Brodbeck: Tabu sind Fantasie-Adressen. Wir empfehlen eine neutrale und seriöse E-Mailadresse nach dem Muster Vorname.Nachname@provider.de. Auch bei der Verwendung von Dateianhängen gibt es No-Gos. Stellen Sie sich einen Personalverantwortlichen vor, der mehrere 100 Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung bekommt. Und jede davon mit mehreren Anhängen versehen, die alle geöffnet werden wollen. Deshalb ist es ganz wichtig, sich auf wenige Anlagen zu beschränken und diese vor allem auch aussagekräftig zu benennen. Für Ton und Stil einer Online-Bewerbung gelten nach wie vor die üblichen Gepflogenheiten einer Bewerbung in Schriftform. Deshalb haben zum Beispiel Emoticons in einer seriösen Online-Bewerbung nichts verloren.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Zu welchen Praxiserfahrungen (Praktika, Nebenjobs, ehrenamtliche Tätigkeiten) sollte der Bewerber ein Zeugnis beilegen?
Brodbeck: Je mehr Informationen ein Bewerber zur Verfügung stellt, desto aufschlussreicher ist dies für uns. Hier gilt: Wichtig sind alle Informationen, die mit den Fähigkeiten des Bewerbers zu tun haben. Aber auch Nachweise über soziales Engagement zeigen ein differenziertes Profil des Bewerbers und geben einen ersten Eindruck über seine Persönlichkeit.
PRAKTIKUMSFUEHRER: In den USA setzt sich nach und nach der Trend von Online-Videobewerbungen durch, während dies hierzulande noch nahezu unbekannt ist. Könnten Bewerber bei Ihnen damit punkten?
Brodbeck: Wir sammeln bereits erste konkrete Erfahrungen im Umgang mit Videobewerbungen im Rahmen unserer Telekom Campus Tour. Studenten an rund 40 Universitäten und Fachhochschulen konnten sich per Videobotschaft für ein dreimonatiges Praktikum in Südafrika bewerben. Im Vordergrund standen Persönlichkeit, Kreativität und Originalität der Bewerber, nicht Noten oder Lebenslauf. Erst im zweiten Schritt finden nun Interviews und persönliche Auswahlgespräche statt. Sie sehen, wir erwarten nicht nur von unseren Bewerbern, neue Wege zu gehen. Gerade im Personalmarketing gilt es, neue Formen der Kommunikation und Ansprache zu finden, die junge Menschen überzeugt.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Welche Qualifikationen sind Ihnen bei einem Bewerber besonders wichtig? (Bitte bewerten Sie von 0-unwichtig bis 5-sehr wichtig)
PRAKTIKUMSFUEHRER: In welchen Bereichen benötigen Sie derzeit am dringendsten nach Nachwuchs?
Brodbeck: Die Deutsche Telekom plant in diesem Jahr je nach Geschäftsentwicklung bis zu 2.000 Stellen mit Hochschul-Absolventen und Young Professionals zu besetzen. Besonders gefragt sind zurzeit Ingenieure, IT-Spezialisten und Betriebs- sowie Volkswirte. Aber auch für Absolventen anderer Studienrichtungen bieten sich vielfältige Einstiegsmöglichkeiten.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Suchen Sie ausschließlich nach spezialisierten Fachkräften oder haben auch motivierte Quereinsteiger eine Chance?
Brodbeck: Spezialisierte Fachkräfte stehen auf unserer Wunschliste ganz oben. Dennoch bieten wir auch qualifizierten Quereinsteigern und Querdenkern Einstiegschancen. Als Konzern suchen wir vor allem engagierte Mitarbeiter, die gestalten wollen und Sinn für Innovationen haben. Wir verändern uns und suchen deshalb gerade auch junge Menschen, die den Wandel mitgestalten.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Haben Sie auch schon Studienabbrecher eingestellt, wenn Persönlichkeit und Leistung überzeugt haben, oder fallen diese automatisch durchs Raster?
Brodbeck: Durchaus, wenn die übrigen Leistungen und die Persönlichkeit des Bewerbers überzeugend sind.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Wie sieht ein Vorstellungsgespräch in Ihrem Haus aus? Individuelles Gespräch oder Assessment-Center?
Brodbeck: Sowohl als auch. Selbstverständlich machen wir uns ein umfangreiches Bild des Bewerbers: Fachliche Qualifikationen werden getestet, aber auch die Persönlichkeit und der Charakter. Das jeweilige Auswahlverfahren richtet sich aber vor allem nach der ausgeschriebenen Stelle: ein Praktikum wird zum Beispiel im persönlichen Gespräch vergeben, die Bewerberauswahl von Top-Absolventen für Stellen in unserem Nachwuchskräfteprogramm “Start up!” verläuft selbstverständlich umfangreicher und komplexer über ein Assessment-Center. In beiden Fällen gilt: Wir gestalten den Bewerbungsprozess fair und gehen respektvoll mit dem Bewerber um. Wir erwarten allerdings vom Bewerber, dass er sich im Vorfeld über unseren Konzern informiert und die groben Strukturen und Themen kennt.
PRAKTIKUMSFUEHRER: Wenn man es geschafft hat: welche Herausforderungen erwarten Bewerber in Ihrem Unternehmen?
Brodbeck: Vor allem die Herausforderung, teilzuhaben an der Veränderung, die der Konzern gerade durchlebt. Wir suchen Mitarbeiter, die den Mut haben, bestehende Prozesse zu hinterfragen und nach innovativen Lösungen zu suchen. Wir brauchen engagierte Mitarbeiter mit Unternehmergeist, die die Anforderungen des Marktes erkennen und uns helfen, den Konzern dementsprechend weiter zu entwickeln. Gerade Pionieren bietet unser Nachwuchsprogramm “Start up!” alle Entwicklungschancen. Hier entscheiden die Kolleginnen und Kollegen selbst, in welche Richtung sie sich entwickeln werden. Innerhalb von 15 Monaten – drei Monate davon in einer der Auslandsgesellschaften – werden unsere “Start up!s” mit anspruchsvollen Aufgaben und innovativen Projekten darauf vorbereitet, größere Verantwortung bei der Deutschen Telekom zu übernehmen. Coaching durch den direkten Vorgesetzten und individuelles Mentoring durch eine erfahrene Führungskraft unterstützen die Konzerneinsteiger auf diesem Weg.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
Habt Ihr weitere Fragen an Marc-Stefan Brodbeck? Kein Problem! Nutzt die Chance und stellt Eure eigenen Fragen in der Kommentar-Funktion.






Seitenanfang



